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Anpirschen und Abseilen: Familienurlaub im Kleinwalsertal

on Mittwoch, 19 Oktober 2011.

Seien wir ehrlich: Es gibt dieses Alter bei Kindern, in dem werden Familienwanderungen eher zur Qual. Das Kleinwalsertal bietet mit „Wildnistagen“ und „Bergabenteuern“ einen Familienurlaub, von dem erstaunlicherweise Eltern und Kinder etwas haben.

Am Anfang ist da dieses Stück Holz. Keine 20 Zentimeter lang, ungefähr vier Zentimeter breit und gute zwei Zentimeter dick. „Fichtenholz, leicht zu bearbeiten“, sagt Bettina, die Wildnispädagogin, und gibt jedem Kind zwischen 8 und 12 Jahren ein rechteckiges Scheit in die Hand. „Jeder bekommt nun ein glühendes Stück Kohle auf das Holz, mit dem er vorsichtig ein Loch ins Holz brennt“, weist Bettina sie an.

Löffel selbstgeschnitzt am Wildnistag


Die Kinder schauen ungläubig. Und dann sitzen sie da. Ruhig, konzentriert, fasziniert arbeiten sie, damit sich die glühende Kohle ins weiche Holz frisst, eine Kuhle hinterlässt. Erleben sie, wie sie nach und nach mit dem scharfen Schnitzmesseraus aus dem Rechteck eine Löffel-Silhouette schälen. Und der Stolz ist groß, als die ganze Gruppe ihre fertigen Löffel in die Höhe reckt.

Das Kleinwalsertal, das zum österreichischen Vorarlberg gehört, aber nur über das deutsche Allgäu zu erreichen ist, zählt sich (selbst) zu den kinderfreundlichsten Regionen der Alpen. Seit diesem Sommer – und wegen des großen Anklangs jetzt wieder in den Herbstferien vom 24. Oktober bis 9. November – bietet es eine Vielzahl an Aktivitäten an, die das Erlebnis Familie mit dem Erlebnis Berge und Wildnis verbindet.

Wie im Indianer-Crashkurs beim Wildnistag in Blaichach mit Gesine Schneider und Bettina Römer. Die beiden Wildnispädagoginnen führen die Kinder über sieben Stunden hinweg ein in die Welt der Indianer. Sie wollen die Sinne schärfen: Auf einem Weg am Wildbach entlang Dinge, „die da nicht hingehören“ sehen und sich merken. Sich anschleichen, ohne verräterisches Knirschen mit den Schuhen zu verursachen. Mit verbundenen Augen gerade aus gehen und erkennen, dass man plötzlich die Richtung wechselt. Dazu gehört im Camp am Fluss natürlich auch selbst zu erlernen, wie man ein Lagerfeuer richtig aufbaut, um es mit nur drei Streichhölzern zu entfachen – man muss ja in der Wildnis mit Feueranzündern sparsam umgehen können. Und schließlich, sich seinen eigenen Löffel zu schnitzen. Dazwischen wird der Hunger mit Indianerkost gestillt: super einfache und leckere Indianerpizza, aus Hefeteigbällchen geformt, mit Paprika, Tomaten und Käse belegt, zugeklappt und in der Pfanne überm offenen Feuer gebraten. Die Nachspeise ist ebenso einfach wie köstlich: in aufgeschnittene Bananen kleine Schokostückchen stecken und in der Glut schmelzen lassen. So einfach kann Wildnis sein.

Kinder überqueren die Seilbrücke Beim Bergabenteuertag wiederum geht es für die ganze Familie um Adrenalin, Action und Fels. Hoch hinauf, quer drüber, tief hinab. Drei verschiedene Stationen sind zu bewältigen. Top-Rope-Klettern am echten Fels, auf einer Seilbrücke den Wildbach überqueren, um anschließend per Flying Fox über eine Schlucht zu rasen. Und als Abschluss: abseilen von einer Autobrücke – 40 Meter in die Tiefe! So kostet es das schwache Mutterherz nicht nur Überwindung, selbst die gefühlten 100 Meter auf der Seilbrücke über das tosenden Wildwasser zurückzulegen oder über das Brückengeländer zu steigen, um sich an einem wahnwitzig dünnen Seil in die Tiefe zu lassen. Ihr bleibt schier das Herz stehen, wenn sie ihre eigenen Kinder vermeintlich hilflos zwischen den rettenden Ufern tapfer über das Seil marschieren sieht. Umso größer der Stolz und die Begeisterung, wenn sie sieht, wie unglaublich selbstbewusst die Kinder diese Herausforderungen bewältigen – selbst Vierjährige.

Abseilen von 40 Meter HöheZwischen den Stationen wird gewandert, denn sie liegen durchaus einige Kilometer voneinander entfernt. Diese Zeit braucht nämlich das betreuende Zweier-Team aus Kletterexperten der Bergschule Kleinwalsertal, um die jeweils folgende Station aufzubauen. Aber gerade diese Abwechslung von Bergwandern und Aktion unterscheiden den Bergabenteuertag von anderen Action-Angeboten. Und das schöne dabei ist, dass der Teamgeist der Familien nicht nur auf die Probe gestellt wird, sondern meistens die Kindern ihren Eltern zeigen, was man sich und anderen zutrauen kann. Text: Birgitt Hölzel _ Fotos: MONTE

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